Zeitgenössische Ansicht der Sing-Akademie Berlin von Eduard Gärtner (Ausschnitt). Bildquelle: commons.wikimedia.org

Zeitgenössische Ansicht der Sing-Akademie Berlin von Eduard Gärtner (Ausschnitt). Bildquelle: commons.wikimedia.org

Die Archäologische Gesellschaft zu Berlin e. V.

Von der Gründung bis zum ersten Weltkrieg

Die Geschichte der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin reicht in das Jahr 1842 zurück. Die erste Zusammenkunft fand im Dezember 1842 statt und galt dem Andenken Johann Joachim Winckelmanns, dem Begründer der modernen Archäologie und Kunstwissenschaft. Fortan kamen in Berlin Freunde der Antike, Künstler und Wissenschaftler in Berlin in regelmäßigem Abstand zusammen, um monatlich archäologisch-altertumswissenschaftliche Vorträge zu veranstalten, die stets mit einem geselligen Beisammensein endeten. Das erste Statut der Archäologischen Gesellschaft wurde bereits kurz nach ihrer Gründung im Februar 1843 verabschiedet.

Porträt Eduard Gerhards (1795 - 1867) von August KestnerPorträt Eduard Gerhards (1795-1867) von August Kestner. Gerhard war die treibende Kraft hinter der Gründung der Archäologischen Gesellschaft, Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin und „Archäolog des Königlichen Museums" sowie seit 1843 Professor an der Friedrich-Wilhelms-Universität, Berlin.

Initiator der Gesellschaft war Eduard Gerhard (1795-1867). Gerhard war nicht nur Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, „Archäolog des Königlichen Museums" sowie seit 1843 Professor an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Er war zudem eine jener treibenden Kräfte, die in Rom im Jahre 1829 das Instituto di Corrispondenza Archeologica begründeten, eine von internationalen Gelehrten, Künstlern und Diplomaten ins Leben gerufene private Wissenschaftseinrichtung, aus der schließlich 1874 das Deutsche Archäologische Institut hervorgehen sollte. So wundert es auch nicht, dass die Archäologische Gesellschaft sich in den Anfangsjahren zum Ziel gesetzt hatte, das bis dahin privat finanzierte Instituto di Corrispondenza zu unterstützen.

In dem Maße, in dem seit den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts das Institut in Rom von Preußen finanziert wurde, lockerte sich jedoch die Verbindung zwischen der Gesellschaft und dem Instituto di Corrispondenza. Die Archäologische Gesellschaft entwickelte sich jedoch schnell zu einer eigenständigen Institution von großem Renommee, die durch gut besuchte Vortragsveranstaltungen die wissenschaftliche Diskussion zwischen Archäologen, Altertumswissenschaftlern, Gelehrten anderer Disziplinen und Freunden der Antike in Berlin förderte und schon bei ihrer Gründung durch eigene Publikationen hervortrat: die Monographienreihe der Berliner Winckelmannsprogramme sowie die 1843 ins Leben gerufene „Archäologische Zeitung", aus der das Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts hervorging.

Bis heute spiegeln die Veranstaltungen und Publikationen der Gesellschaft wesentliche Leitfragen und Schwerpunkte der archäologisch-altertumswissenschaftlichen Forschung wider.

Vom Ende des ersten bis zum Ende des zweiten Weltkriegs

Waren zunächst nur ausgewiesene Gelehrte und Künstler als Mitglieder zugelassen, so öffnete sich die Gesellschaft nach dem ersten Weltkrieg bewusst auch einem breiteren Publikum. Die erste Frau, die in die Gesellschaft aufgenommen wurde, war die Archäologin Margarete Bieber (1879-1978). Damen nahmen seit 1922 beständig an den Veranstaltungen teil. Während des zweiten Weltkriegs wurde die 100. Wiederkehr des Berliner Winckelmannsfestes mit einem Festakt in der Sing-Akademie (dem heutigen Maxim-Gorki-Theater) am 9. Dezember 1940 begangen. Die Organisation lag in den Händen des damaligen Vorsitzenden Gerhart Rodenwaldt (1886-1945).

Vom Ende des zweiten Weltkriegs bis heute

Die Archäologin Margarete Bieber (1879-1978), die erste Frau, die in die Archäologische Gesellschaft aufgenommen wurde.
Die Archäologin Margarete Bieber (1879-1978), die erste Frau, die in die Archäologische Gesellschaft aufgenommen wurde.

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Gesellschaft neu gegründet, und zwar am 10. Juli 1947 in der durch Bomben teilweise zerstörten Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts in der Maienstraße 17 in Berlin-Schöneberg. Hierzu eingeladen hatte Carl Weickert, der seit 1936 Direktor der Berliner Antikensammlung war und nach Kriegsende zusätzlich die kommissarische Leitung des Winckelmann-Instituts an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie die Präsidentschaft des Deutschen Archäologischen Instituts übernommen hatte. Mit Zustimmung der US-amerikanischen Militärregierung fand die erneute Gründungsversammlung am 25. Mai 1948 statt; die erste reguläre Sitzung konnte am 8. Juni 1948 abgehalten werden.

Trotz der Teilung der beiden deutschen Staaten und dem Bau der Berliner Mauer 1961 blieb die Gesellschaft eine Gesamtberliner Vereinigung. Die Verbindung zwischen Mitgliedern im Ostteil der Stadt zu denen im Westen riss bis 1989 nicht vollständig ab. Zu den Höhepunkten in der jüngeren Geschichte der Archäologischen Gesellschaft gehören ihre Beteiligung an den Feierlichkeiten anlässlich des 150. Geburtstages des Deutschen Archäologischen Instituts 1979, die Veranstaltung eines Vortragszyklus zu der in demselben Jahr gezeigten Ausstellung „Berlin und die Antike", gemeinsam mit der Kunstgeschichtlichen Gesellschaft zu Berlin, sowie dem 146. Winckelmannsfest am 5. Dezember 1989, das nach dem Fall der Mauer erstmalig wieder unter freier Beteiligung von Wissenschaftlern und Freunden der Antike aus dem Ostteil der Stadt begangen werden konnte. Daran schloss sich am 27. Oktober 1990, kurz nach der Vereinigung Deutschlands, auf Einladung des Ehepaars Christine und Ulrich von Heinz eine Einladung nach Schloss Tegel an, dem Wohnsitz Wilhelm von Humboldts, in den Antiken und andere Skulpturen nach langem Exil zurückgekehrt waren.

Heute gehört die Archäologische Gesellschaft noch immer zu den wichtigsten Vereinigungen von Freunden der antiken Kulturgeschichte und ist durch ihre vielfältigen Veranstaltungen eine feste Größe im altertums- und kulturwissenschaftlichen Leben Berlins.

 

Weiterführende Literatur

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Adolf H. Borbein, 150 Jahre Archäologische Gesellschaft zu Berlin, in: Winckelmannsprogramm der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin 134, Berlin 1993, 28 - 34.

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Gerhart Rodenwaldt, Zum Hundertsten Winckelmannsfest, in: Winckelmannsprogramm der Archäologischen Gesellschaft zu Berlin 100, Berlin 1940, 5 - 24.

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Sitzungstermine der Archäologischen Gesellschaft

Einen Überblick der in diesem Jahr stattfindenen Sitzungen bietet das hier zum Download angebotene PDF-Dokument.

Ernst Curtius, Vorsitzender der Archäologischen Gesellschaft 1869 - 1896

Ernst Curtius, Vorsitzender der Archäologischen Gesellschaft 1869 - 1896

Gerhart Rodenwaldt

Gerhart Rodenwaldt

Erich Boehringer

Erich Boehringer