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Kleidung, Identität & Religion. Ein Beispiel für die Relevanz archäologischer Fragestellungen

Vortrag, 23.10.2018, Vortragssaal des Museums für Asiatische Kunst SMB, Berlin Dahlem, Eingang Takustraße 40

Kleidung, Identität & Religion. Ein Beispiel für die Relevanz archäologischer Fragestellungen

Annemarie Schantor M.A. (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg i. Br.) wird über die Ehrenstatuen kaiserzeitlicher Priesterinnen sprechen.

Aus Rom und Italien sind kaiserzeitliche Bildnisse von Personen erhalten, die sich mit Attributen eines Kultamtes schmücken, wie z. B. Isispriesterinnen oder Vestalinnen. Der Fokus der Forschung lag bisher vor allem darauf, aus diesen Bildnissen Informationen über den jeweiligen Kult zu gewinnen. Im Dissertationsprojekt von A. Schantor wurden diese Bildnisse jedoch vorrangig als Darstellung einer bestimmten Person, über die positive Aussagen vermittelt werden sollen, untersucht. Zentral ist dabei zum einen die Frage nach der Bedeutung der jeweiligen Attribute. Können sie noch andere Eigenschaften der Person als nur das Innehaben eines Kultamtes vermitteln? Zum anderen ist von Interesse, wie sich diese Bildnisse zu den mehrheitlich nicht individuell gekennzeichneten Bildnissen verhalten. Integrieren sich die Dargestellten in die Gesellschaft oder setzten sie sich von ihr ab? Es zeigt sich dabei, dass die Darstellung als Kultpersonal die Möglichkeit bot, die eigene gesellschaftliche Position sehr präzise zu visualisieren sowie Werte wie Tradition und Wohlstand für sich zu reklamieren. Mit einem Blick auf den Kopftuchstreit soll außerdem verdeutlicht werden, dass die archäologische Forschung einen Denkraum für die Gegenwart und einen Ort für gesellschaftliche Selbstreflektion erschaffen kann.